Festabend

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Mit den Worten „Die Zeitreise beginnt“ gab Karin Müller, Ortsvorsteherin von Altweilnau, die Bühne im Sportheim frei für eine „mannigfaltige Darstellung“ der Geschichte des Burgdorfes. Zum 800-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung von „Wilnowe“ 1208 hatten die Altweilnauer einen Festabend für die Altweilnauer ausgerichtet.

Entsprechend waren auch nur wenige ausgesuchte Ehrengäste eingeladen. Der hessische Justiz- und Kultusminister Jürgen Banzer hatte die Schirmherrschaft über die Veranstaltung übernommen und freute sich über die starke Gemeinschaft im Jubiläumsdorf, die das Fest auf die Beine stellte. Der stellvertretende „Landvogt“ Uwe Kraft nahm Bezug auf die Zeit, als Altweilnau städtisch war, und scherzte, dass der Vorposten Bad Homburg alles tue, damit es der Metropole Altweilnau gut gehe. „Die aktive Dorfgemeinschaft ist unser Pfund“, lobte auch Weilrods Bürgermeister Axel Bangert die Altweilnauer Bürger.

Durch Kreativität, Organisationstalent, historisches Interesse, Schauspielkunst und Musikalität der Akteure und der im Hintergrund Tätigen war ein abwechslungsreicher, informativer und unterhaltsamer Abend entstanden. Szenen aus dem Alltagsleben wechselten mit musikalischen und tänzerischen Darbietungen. Sabine Preußer vermittelte auf amüsante Art die Grundzüge der Geschichte Altweilnaus und Herold Eloquentius von Mildenburg (Dirk Weiß) verlas wichtige Dokumente und Nachrichten. Zu Beginn des Abends kündigte der Herold Graf Heinrich I. von Weilnau (Jutta Steinbrück-Weiß) und seine Gemahlin Luitgardis (Dagmar Cezanne) an, die sich dem Volk von Weilnau, dessen Herren sie jetzt sind, vorstellen wollen.

„Stellen Sie sich vor, wir werden Stadt“, blickte Preußer zurück ins Jahr 1336, als Altweilnau für sage und schreibe neun Tage Stadtrechte erhielt. Und trotz teilweiser Rücknahme auf Betreiben von Neuweilnau wurde 1340 eine Stadtmauer mit dem heute noch erhaltenen Torturm sowie sechs weiteren Türmen errichtet. Von der noch heute im Torturm hängenden Marienglocke erzählte Uschi Flacke mit eindringlichen Worten und ließ das Publikum einen Kanon auf „Die Glocke von Weilnau“ singen.

„Treffliche Gewänder aus vergangener Zeit“, stellten die fränkischen Armbruster vor, die fürs Wochenende auf der Burg ihr Lager aufgeschlagen hatten. Das Ende der Ritterzeit besang Flacke mit dem etwas umgedichteten Lied von Herbert Grönemeyer „Ritter sind auf dieser Welt leider auch ersetzlich“. Mit einem Blick auf den 30-jährigen Krieg und die Pest, die auch das Weiltal trafen und den anschließenden wirtschaftlichen Aufschwung unter Fürst Walrad ging es weiter. Ein urkundlich belegter Streit zwischen den Treisberger Pispelern und den Altweinauer Staaritschern lockerte als Sketch den geschichtlichen Ausflug auf.

Das Lied „Ännchen von Tharau“ gesungen von Altweilnauer Frauenchor und ein Stück von Mozart gespielt von Andreas Mlynek führten die Gäste in die Neuzeit, als auch Wilhelm Bayrhoffer, Maler und Botaniker in Altweilnau zu Gast war. Die Übernutzung des Waldes durch Entnahme von Laub, Waldweide und Holzeinschlag beklagte Karl Matthias Groß in der stattlichen Galauniform eines Försters. Der Besuch von Kaiser Wilhelm II (Norbert Zepke) und seiner Gemahlin Auguste (Sabrina Heberling) 1909 läutete die Zeit des Tourismus in dem Burgdorf ein, der nach dem 1. Weltkrieg einen ersten Höhepunkt erlebte. Auf einer wahren Begebenheit beruhte auch die gespielte Anekdote um die verschwundenen Männer, die nicht zur Heuernte kamen, sondern lieber vor dem Fernseher beobachteten, wie Deutschland Fußball-Weltmeister wurde. Nach dieser Reise durch die Welt- und Altweilnauer Geschichte, wartete vor dem Sportlerheim Graf Heinrich I. zu Pferde, um die Festgesellschaft auf die Burg zu geleiten. Dort erwartete die Gäste eine Feuershow mit Feuerspucker, wirbelnden Fackeln und brennenden Seilen.

Nachfolgend die Bildergalerie zum Festabend im Rahmen der 800 Jahrfeier. Die Bilder wurden größtenteils vom Fotostudio Schiffer aufgenommen sowie von Sabine Neugebauer und Marlene Böff. Den Fotografen einen herzlichen Dank für das zur Verfügung stellen des Bildmaterials.