Geschichte Neuweilnaus

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22.06.1302 Der Ort Neuweilnau verdankt seine Entstehung eigentlich der Schuldenpolitik des Grafen Heinrich II von Weilnau. Um zu verhindern, dass dieser das gesamte Familienvermögen durchbrachte, versuchte sich die Diezer Linie des Grafenhauses vertraglich abzusichern. Man teilte den Besitz in die Gebiete Alt- und Neuweilnau auf. Um die relativ kleine Weilnauer Burganlage nicht mehr miteinander teilen zu müssen, errichtete die Diezer Grafenfamilie für die Weilnauer auf dem gegenüberliegenden Rödelnberg eine neue Anlage – Neuweilnau. Als einziger Ort der Großgemeinde Weilrod kennt man hier die genaue Entstehungszeit! Am 22. Juni 1302 wurde die Teilung des diezisch-weilnauischen Besitzes vollzogen.
23.Mai.1303 Erbauung der Burg auf dem Rödelnberg innerhalb eines Jahres, Einweihung/Übergabe zu Pfingsten. Burgmannen konnten mitziehen und ihre Häuser in Alt-Weilnau verkaufen bzw. an einen anderen Ort versetzen. Der Vertrag wurde erfüllt, die Burg erbaut. Der auf Neuweilnau residierende Zweig der Weilnauer Familie erhielt die Herrschaft Neuweilnau mit den Kirchspielen Rod an der Weil, Grävenwiesbach und Usingen. Die Diezer Linie behielt neben der Burganlage in Altweilnau die Kirchspiele Altweilnau und Steinfischbach sowie das Gericht Wehrheim.
23.06.1326 Die Neuweilnauer Herrlichkeit währte allerdings nicht lange. Bereits 1326 sah sich der Graf von Weilnau gezwungen, Schloss und Herrschaft in fremde Hände zu geben. Er verpfändete für 1750 Mark den Besitz an Probst Siegfried von Runkel, einen Onkel, der wahrscheinlich nur als „Strohmann“ fungierte.
12.11.1326 Der Probst verkaufte sein Pfandrecht an Graf Gerlach von Nassau-Weilburg, dessen Einflussbereich damit von Weilburg Lahn abwärts reichte. Hiermit begann die Blütezeit von Neuweilnau.
27.05.1336 Als der Ort 1326 an Nassau fiel, besaß er bereits städtischen Charakter. So ist es nicht verwunderlich, dass Neuweilnau in der Übertragungsurkunde als „Städtekin“ bezeichnet wurde. Allerdings gibt es keine Urkunden oder Belege dafür, das Neuweilnau tatsächlich einmal Stadtreche besaß. Burg und Ort Neuweilnau bildeten mit ihren umgebenen Mauern, Gräben, Türmen und Toren eine organische Wehranlage. Bis zum dreißigjährigen Krieg nahm das hübsche Bergstädtchen mit der überragenden Burganlage eine herausgehobene Stellung ein. Die Stellung des Grafen Gerlach von Nassau beim König war derart stark, dass er sogar die Zurücknahme der Stadtrechte für Altweilnau erreichen konnte.
1348 In Neuweilnau wird ein Judenzoll erhoben.
1405 Umwandlung der Verpfändung in einen Erbkauf; Neuweilnau wird häufiger Regierungssitz
Ab 1401 neuweilnauische Renteirechnungen (älteste im Usinger Land)
1407 Burgschmiede genannt (zwei Blasebälge wurden hergestellt) und der Schmied flickte für das Gesinde die Schuhe.
1418 Kirche zu Neuweilnau wird genannt die 1455 als Pfarrkirche bezeichnet wurde. Wahrscheinlich war sie St. Georg geweiht, dem Schutzheiligen der Ritterschaft.
1428 Zwei Neuweilnauer studieren an der Universität Prag
1425 Für die Zolleinnahme wurde ein neuer Schlagbaum angefertigt (Es gab einen Pferdezoll, der vom Landknecht Hermann und Schultheiß Baltasar vor der Ortschaft am „heiligen Haus“ erhoben wurde)
1452 „10 Swartze Ducher“ wurden nach Frankfurt verkauft. Färberhäuser und Walkmühlen im Weiltal wurden betrieben.
1490 Auf dem Burgsitz gab es einen Schießrain, eine Kegelbahn und ein Färbhaus.
1501 2 Marställe (Pferde), eine Kanzlei, ein Viehaus (Rinder und Schweine), zwei Scheunen, Backhaus mit Ofen, zwei Öfen im Schloss (und 5 Jahre später einen Kachelofen), der Turm wurde mit neuen Fenstern ausgestattet.
1506-1513 Ausbau der mittelalterlichen Burg zu einem im schlichten Renaissance Stil gehaltenen Schlossbau (37 m lang und 10 m breit) durch den Grafen Ludwig von Nassau- Weilburg. Aus dieser Zeit gibt es bereits in den Archiven Rechnungen über einen Kachelofen und Fenster. Aus den Kellereirechnungen geht sehr gut hervor, wie damals gearbeitet wurde: 2 Männer aus Cratzenbach trugen Steine aus dem Graben herbei, 2 Männer bedienten einen handbetriebenen Aufzug und wurden von 2 Eschbachern unterstützt. 2 Maurer aus Cratzenbach wurden von Handlangern aus Gleiberg, Grävenwiesbach und Rod an der Weil unterstützt. Sie warfen den Sand an die Mauer.
1507 Erster Siegelabdruck mit der Inschrift „oppidum“ (lat. kleinere Städte)
1513 Erwähnung eines eigenen Rathauses
1516 Erstmalige Erwähnung eines Gewölbes des „nuhen Baus“ und eines Weingelasses (Gelass: Stube also hier eventuell Weinstube) für das ein Eimer und sechs neue Zuber angefertigt wurden. Dazu passt gut, dass man früher geschäftliche Übereinkünfte mit einem Weinkauf hielt – der Kauf erlangte erst durch das „begießen“ Rechtskraft.
1523-1539 Seine Glanzzeit erlebte Neuweilnau unter Philipp III. Er zog das romantische Schloss der Weilburger Residenz vor, da diese baufällig geworden war. Die nassauischen Herren aus Weilburg hielten hier oft Hof, ihre Verwaltungsbeamten schrieben an ihren Stehpulten, Boten kamen mit Briefen von nahen und sogar aus entfernten Landesteilen wie dem Saarland. Die hohen Herrschaften gingen auf die Jagd nach Reh, Hirsch und Wildschwein.
1526 Erste evangelische Predigt durch Schlosskaplan Henricus Romanus
1563-1566 Errichtung des dreigiebligen Torbaus am Schloss, in dem die Kanzlei d.h. die Regierungsräume untergebracht waren. Neben dem Gebäude wurde die Küche um ein Schlachthaus mit einem Wasserstein und einer Räucherkammer erweitert.
1555 Weilnauer Tuch wurde bis nach Augsburg verkauft.
1568/69 Die Kellereirechnung weist auf einen Hofnarren Gernant hin.
1582 Ein Hauch von städtischem Flair lag wohl in der Luft, als die Neuweilnauer zum Armbrustschießen in die Reichsstadt Frankfurt eingeladen wurden.
1601 Das Ende der Färber war gekommen, als am 25.04.1601 der Farbkessel verkauft wurde und der Gewinn unter sich aufgeteilt wurde.
1606 Schule wird genannt und vom Pfarrer mit verrichtet.
1635-1686 Neuweilnau pfarrt nach Altweilnau.
1640 In Neuweilnau waren ganze vier Häuser bewohnt. Die Angehörigen des nassauischen Fürstenhauses waren bedingt durch den 30 jährigen Krieg nach Frankreich geflohen, und das Schloss verfiel stetig. Besonders schlimm war in dieser Zeit die Pest. Diese wütete ab 1627. So wurden beispielsweise für Neuweilnau die Pesttoten erst 1641 im Kirchenbuch nachgetragen.
1651 Das Usinger Land wurde zu einem selbstständigen Staat. Der spätere Fürst Walrad von Nassau-Saarbrücken begründete die nassau-usingische Linie dieses Hauses.
1658 Letzte gräfliche Bewohnerin des Schlosses Magdalena von Nassau-Weilburg stirbt unvermählt.
1659 Residenz nach Usingen verlegt, Herrschaft Neuweilnau ging in der Graftschaft Naussau-Usingen auf. Das Schlossgebäude blieb Wohnsitz und diente als Jagdschloss.
1686-1833 Pfarrei selbstständig, Pfarrer zugleich Schulmeister (bis 1813)
1709 Mit dem Abriss des Bergfrieds im Jahre 1709 waren 17 Oberlaukener Einwohner beschäftigt. Sie mussten zwei Tage ihre Steuerschulden abarbeiten.
26.07.1746 Einwohner von Neuweilnau: 3 Kupferschmiede, 2 Papiermühlenarbeiter, 1 Müller, 1 Eisenschmelzer, 1 Schumacher, 1 Schneider, 1 Strumpfweber, 2 Landwirte, 3 Witwen, 2 Waisen, zusätzlich werden 3 Personen aufgeführt mit „hat nichts“ und einer mit „sehr arm“. 13 Haushalte, von denen 6 über ein Fuhrwerk verfügten.
1783 Leider scheint das Schloss dem Verfall preisgegeben worden zu sein. Dies hatte sicher auch mit dem Umzug der Nassauer nach Usingen und der damit verbundenen Bedeutungslosigkeit des Schlosses Neuweilnau zu tun. So heißt es 1783 in einem Bericht:
...“das im Burgbezirk ein über 100 Jahre altes Gebäude von 140 Schuh Länge stehe, welches vom Förster zurzeit als Scheune genutzt werde. Vom Bauwerk stehen nur noch die vier Wände und das Dach.“ Weiter wird berichtet, dass der in der Mitte stehende Turm mit einer Wendeltreppe versehen sein und sich gut als Glockenturm eignen würde. Weiterhin verfüge das Gebäude über einen schönen Gewölbekeller sowie einen in den Felsen gehauenen Brunnen und über einen zusammengefallenen Backofen.
1813-1963 eigene Schule
12.06.1811 Es wird über eine Salzquelle auf der herrschaftlichen Färberwiese berichtet. Ein eingeholtes Gutachten über den Zustand der Quelle ist leider nicht gut genug, sonst würde Neuweilnau heute womöglich Bad Neuweilnau heißen!
1816 Erst mit Einzug der noch heute ansässigen Forstbehörde im Jahre 1816 scheint der Verfall des Gebäudes gestoppt worden zu sein. Herzog Wilhelm zu Nassau bestimmt Schloss Neuweilnau zum Sitz der Herzoglich Nassauischen Oberförsterei.
Heutige Schwerpunktaufgabe des Forstamtes:
Das Forstamt betreut über 18.000 Hektar Wald (Staatswald 17%, Kommunalwald 75,5%, Privatwald 4% und Nassauischer Zentral-Studienfonds 3,5%). Der Kommunalwald gehört den Städten Butzbach, Usingen, Rosbach, Friedberg sowie den Gemeinden Weilrod, Grävenwiesbach, Neu-Anspach, Wehrheim, Ober-Mörlen.
1883 Renovierung des Schlosses, Ausbau zur Oberförsterei
Im Hauptgebäude des Schlosses befanden sich die Wohn- und Wirtschaftsräume des Oberförsters, seiner Familie und seines Gesindes (Mägde und Knechte). Im Torhaus war u.a. der Kutscher untergebracht. Dort befand sich auch die Amtsstube des Forstsekretärs und eines Schreibers (in einem 20m² großen Büro). Viehhaltung auf dem Schloss spielte eine große Rolle. Zahlreiche Pferdeställe waren vorhanden, die z.T. heute noch zu sehen sind.
1866 Nassauer Grafschaft fällt an Preußen und aus der Herzoglich Nassauischen Oberförsterei wurde die Preußische Oberförsterei.
1895 Installation einer Wasserleitung mit Windmotor, der nach einem Orkan 1905 umstürzte.1907
1907 Errichtung eines Heimatmuseums.
Ab 1907 Ihre Majestät, der deutsche Kaiser Wilhem II, seine Gattin Kaiserin Auguste Viktoria und die Prinzessin Viktoria Luise  besuchten mehrmals das Schloss Neuweilnau und die beiden Ortschaften Alt- und Neuweilnau. Zu Ehren der Kaiserin wurde sogar ein Stuhl mit dem Namen der Hoheit graviert. Leider ist dieser Stuhl samt Gravur nicht mehr auffindbar