Bergbau in Altweilnau

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Die älteste bekannte Belehnungsurkunde (Schriftliches Gesuch eines Schürfers um die Verleihung des Bergwerkeigentums) stammte vom 10.12.1593. Ein Peter Sorge aus Kraftsolms erwarb das Recht, nach Blei und anderen Metallen bei Altweilnau schürfen zu dürfen. Während der Wirren des 30 Jährigen Krieges fanden keine Schürfungen statt. Erst durch Graf Walrad von Nassau, der am 01.04.1690 einer Gewerkschaft die Rechte für das bei „Altenweylnau gelegene uhralte Kupfer und Bley Bergwerk ... Königsthal genannt“ erteilte, begann man mit dem Betrieb. Über 30 Jahre wurde in Stollen und Schächten nach silberhaltigem Blei gesucht, bis 1720 der letzte Bergmann ins Kirchenbuch eingetragen wurde.

1779 bat der Hessisch-Hanauische Amtmann Otto Friedrich Zaunschiffer aus Dorheim um die Belehnung mit dem „seit langen Jahren unbearbeiteten Bergwerk im so genannten Königsholz, unweit von Altweilnau“. Trotz eines intensiven Schriftverkehrs und einiger Investitionen, erfolgte keine Belehnung. Vielmehr sollte zunächst ein Gutachten erstellt werden. Nach diesem Gutachten erhielt Zaunschiffer zwar gewisse Rechte, schien aber die Lust an der Weiterarbeit verloren zu haben, denn am 06.04.1782 schrieb der Hütteninspektor Henchler, dass die Grube lediglich von zwei Mann  betrieben wurde. In den kommenden Jahren fanden zwar Arbeiten statt, Gewinne konnten aber keine erzielt werden.

Eine erneute Belehnung erfolgte ab 1818 an wechselnde Besitzer. In der Folgezeit wurden erfolgreiche Grabungen durchgeführt und 1917 drei Stollen (Petrusstollen, Margaretastollen und St. Barbarastollen) an der Weiltalstraße (ca. 100 m. nördlich bzw. nordöstlich der Kreuzung „Egertshammer“) angelegt. In dieser Zeit gab es eine Gewerkschaft „Altvater“ und einen Knappschaftsverein in Altweilnau. Zwei Tage lang feierte man am Peter- und Paulstag 1903 ein großes Bergmannsfest.

Der Petrusstollen, unmittelbar an der Weiltalstraße, hatte eine Länge von ca. 50m in nordöstlicher Richtung und erreichte nach Südosten einen Gang von 8-10m. Bis 1917 wurden 20 Tonnen Bleierze gefördert, die allerdings nicht den Erwartungen entsprachen. Am 09.10.1919 wurde dieser Stollen stillgelegt, da die Suche nach weiteren Erzadern keinen Erfolg versprach. Dafür beauftragte man 1921 den Wünschelrutengänger Heinemann aus Bad Homburg mit der Suche nach neuen Adern. Dieser stellte auch eine Erzader fest, doch solche konnte, trotz aufwendiger Suche, nicht entdeckt werden. Daraufhin vermerkte August Fricke in seinen Akten: „... muss das Ausschlagen der Wünschelrute irrig gewesen sein…“

Ab 01.12.1921 begann man wieder mit dem Abbau und nahm 1923 eine neue Pumpenanlage in Betrieb, um der häufigen Wassereinbrüche Herr zu werden.  Die Nutzung der Anlage war jedoch nur von kurzer Dauer, da man 1924 die Grube „Königsholz“ endgültig stilllegte.

Ein weiteres Bergwerksfeld „Bleizeche I“, wurde ab 22.03.1899 erschlossen und mit dem Abbau von hochwertigen Bleiglanzerzen begonnen. Der obere Stollen (an der Weilnauer Straße, in unmittelbarer Nähe des Burgrestaurants) hatte eine Länge von ca. 300m und zum Abtransport gab es mehrere Schächte.

Der 1916 eingesetzte Betriebsführer und Sprengmeister war Herr Karl Preußer aus Altweilnau. In einem Betriebsbericht heißt es: „… bei diesem Betriebe wurden im ganzen 14 Arbeiter beschäftigt, dieselben hatten 29 Angehörige zu ernähren.“

Das gesamte Bergwerksfeld (Königsholz und Bleizeche I) wurde in den Jahren 1937/38 von der damals selbstständigen Gemeinde Altweilnau übernommen. Wegen des zu geringen Erzaufkommens und der daraus resultierenden Unrentabilität wurde der Bergwerksbetrieb komplett eingestellt.

Im zweiten Weltkrieg nutzte man den bereits seit Jahren stillgelegten Stollen der Grube „Bleizeche I“ als Luftschutzstollen. So verbrachten die Altweilnauer Weihnachten 1944 im stillgelegten Stollen, als amerikanische Flieger den Flugplatz in Merzhausen zerstörten.

Folgende Gruben waren längere Zeit in Betrieb: Grube „Königsholz“, unterhalb von Altweilnau, Grube „Bleizeche I“, im Ortsbereich von Altweilnau, Grube „Bleizeche“ am Hirschberg zwischen Altweilnau und Hunoldstal und Grube „Emilie II“ am Wolfsküppel, südlich von Altweilnau.

Vorkommen

Haupterz war hier Bleiglanz, dazu oxidische Bleierze. Kupfererze und Zinkblenden traten nur ganz vereinzelt auf. Quarz fand sich in großen Individuen. Das größte bekannte Bleiglanzvorkommen wurde in der Grube „Bleizeche I“ in einer Länge von ca. 40 m und 50 cm Breite und einigen Höhenmetern abgebaut.

Der Alltag eines Bergmannes

Die tägliche Arbeitszeit unter Tage betrug 8 Stunden; über Tage 12 Stunden. Der Abbau erfolgte unter größter körperlicher Anstrengung der Bergarbeiter, da zu jener Zeit noch kein maschineller Abbau möglich war. Der Abtransport des Abraums und der Erze erfolgte auf Schienen über Kipploren. Das Erz lud man auf ein Pferdefuhrwerk, um es nach Wilhemsdorf zur Bahn zu transportieren. Den Abraum verwendete man u.a. später für den Straßenbau. Die Stollen hatten eine Höhe von ca. 2 m, eine Breite von ca. 1,40 m und waren größtenteils mit Grubenholz abgestützt.

Die Sprengungen erfolgten bei Schichtwechsel oder vor einer Pause. Zunächst verwendete man Schwarzpulver, später wurde mit Dynamitpatronen gesprengt. Bei solchen Sprengarbeiten ereignete sich im Jahre 1920 ein schwerer Unfall, bei dem der Bergmann Hanson aus Neuweilnau das Augenlicht verlor. Ein anderer Vorfall ereignete sich beim Anzünden der Sprenglunte. Herrn Karl Ruß atmete die giftigen Gase ein und konnte gerade noch rechtzeitig aus dem Schacht gezogen werden, bevor die Sprengung detonierte.

Von seinem Leben erzählte 1981 der einstige Bergmann Otto Veith. In dem von Peter Eschenröder für den Geschichtsverein Weilrod e.V. aufgezeichneten Gespräch im Jahre 1981, erinnerte sich Herr Veith noch sehr lebhaft an seine einjährige Arbeit in den Schächten und Stollen rund um Altweilnau. Für gerade mal 6 Mark pro Schicht stieg der damals 17 jährige in den Berg ein, ohne genau zu wissen, welche Gefahren mit seiner Arbeit verbunden waren. Meist schufteten zwölf bis vierzehn Mann in drei Schichten im Berg, um pro Woche fünf bis zehn Zentner Erz zu Tage zu befördern. Es dauerte drei bis vier Stunden, bis die beiden Bergleute, die gemeinsam unterwegs waren, in das harte Gestein ein Loch mit dem Meißel gebohrt hatten, um dann die Munition darin zu verstecken.

Heutiger Zustand

Die Stollen und Schächte der Gruben sind größtenteils gegen das Eindringen Unbefugter abgesichert. Die Stollen bieten heute den vom Ausstreben bedrohten Fledermäusen eine ungestörte Überwinterungsmöglichkeit. In den Wintermonaten besucht der Fledermausbeauftragte des Kreises die Stollen und zählt die hier heimisch gewordenen Tiere.

Einen tiefen und näheren Einblick in die Mineralienkunde rund um Altweilnau mit hervorragender Fotodokumentation finden Sie hier